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Libanon

Es war mitten in der Nacht, und doch war es taghell. Nicht wie zur Sommersonnenwende in Grönland, sondern Anfang August am Mittelmeer, im Libanon. Und erhellte auch nicht das Feuer der Sonne die Umgebung, sondern das Feuer in den Häusern, auf den Feldern und in den Wäldern. Fast 50km² Wald hatte das Feuer schon zu Asche werden lassen. Und es brannte weiter, immer wieder angefacht durch in Kugeln, Raketen und Bomben materialisierten Hass und komprimierter Angst. Mitten in der Helligkeit stand ein älterer Mann. Er war mit Tarnkleidung bestückt, hatte eine AK-47 an einer Schlaufe um den Hals hängen und um den Arm ein halstuchgroße Flagge, auf der das rot-grüne Zeichen der Hisbollah prangte. Sein Gesicht war unrasiert, der Bart war ergraut, genau wie die Haare, die unter seiner grünen Mütze heraus in seine Stirn fielen. Zusammen mit den Falten an den Wangen und Augen sorgten sie für einen gebrechlichen Eindruck. Seine Augen jedoch waren hart und kalt, sie schienen zu einem anderen Menschen zu gehören. In ihnen spiegelte sich die Angst, der Hass und die Trauer vieler Jahre wieder. Er stand dort, mitten in Feuern aller Art, so gebrechlich und trotzdem stark. 60 Jahre weilte er nun schon in dieser Hölle. 56 Jahre davon waren geprägt von Grausamkeit, Tod und vergeblicher Hoffnung. An die anderen 4 konnte er sich nicht erinnern, bezweifelte aber, dass sie besser gewesen waren. Seit er sich erinnern konnte, hatte es nicht genug zu essen gegeben, Auseinandersetzungen mit dem Judenstaat und Unzufriedenheit im eigenen Staat. Als er 12 Jahre alt gewesen war, wäre es fast zu einem Aufstand gekommen, aber plötzlich waren überlall Männer mit Tarnanzügen, rot-weiß gestreiften Fahnen mit Sternen auf blauem Grund und M14 Gewehren gewesen. Er hatte ihre Autos mit Steinen beworfen, aber nur weil die älteren Jungen das auch machten. Dann war es viele Jahre verhältnismäßig ruhig gewesen. Er hatte eine Frau geheiratet, die er vor der Hochzeit nie gesehen hatte und mir ihr 4 Kinder bekommen, 3 Jungen und ein Mädchen. Natürlich hatte es weiterhin gebrodelt in Libanons Küche der Unzufriedenheit, besonders, da die palästinensische Befreiungsorganisation, die PLO, mehr und mehr erstarkt war und immer mehr Macht bekommen hatte. Dann waren eines Tages die Juden gekommen und hatten ihr Dorf zerstört. Weil dort ein Stützpunkt der PLO gewesen sein soll, dessen Überreste man nie gefunden hatte. Sein Vater war damals Mitglied der PLO gewesen, und der Verlust seines Haushaltes hatte ihn zu seiner AK-47 greifen lassen. Er war 3 Tage nach der Vernichtung des eigenen Hauses bei der Verteidigung der Häuser des Nachbardorfes von einer Panzergranate zerfetzt worden. Das war nun 24 Jahre her. Er selber war damals mit deiner Mutter, seiner Frau und seinen Kindern in ein Flüchtlingslager bei Schatila geflohen. Da es dort nicht viel zu essen gab, war er immer wieder losgezogen, um bei Bauern zu betteln oder Früchte von Feldern zu stehlen, die der Hass noch nicht verbrannt hatte. Eines Tages war nach einer solchen Tour mit ein paar erbettelten Kartoffeln zurückgekommen. Was er vorfand, hatte sich in sein Gehrin gebrannt wie ein unsichtbares Mal. Das Lager war verwüstet gewesen, überall hatten aufgeschlitzte und zerfetzte Leichen von Männern, Frauen und Kindern gelegen, Blut hatte die Zelte rot gefärbt. Frauen weinten um ihre Kinder und Männer, überlebt hatte keiner. Nur noch Hüllen strauchelten herum auf der Suche nach Verwandten. Weinende Hüllen. Die Israeliten, die auf den Beobachtungstürmen gestanden hatten, sagten mehr zu sich selbst als zu ihm: "Es waren bewaffnete Männer im Lager. Die Phalange-Milizen haben eigenmächtig gehandelt, wir durften nicht eingreifen." Er hatte nirgendwo eine Waffe gefunden, dafür aber Leuchtraketen mit dem Israelischen Emblem. Seine Familie hatte er nicht gefunden, er hatte sie auch nicht gesucht. Er hatte gewusst, dass sie tot waren, ob körperlich oder nur geistig. Er wollte damals nicht in die gebrochenen Augen seiner Kinder schauen, das tote Starren seiner Frau aushalten und sein Haupt unter dem vorwurfsvollen Blick seiner Mutter senken müssen. Er war einfach gegangen, hatte alle hinter sich gelassen, die Toten, die so unschuldigen Israelis, die unsichtbaren Waffen. In ihm war der Hass geboren, der Hass auf die Juden und ihre Lügen, der Hass auf die Phalange-Milizen, der Hass auf alles, was gegen ihn war. Er hatte zur Hisbollah gefunden, die ihn mit offenen Armen empfangen und zu einem Krieger Gottes gemacht hatten. Nachdem die PLO praktisch vernichtet worden war, hatten die Israeliten unter dem Vorwand, eine Sicherheitszone zu errichten, das Volk im Süden Libanons unterdrückt und mit der Hilfe der Südlibanesischen Armee, der SLA, die Kontrolle an sich gerissen. Doch eines Tages hatten die Juden ohne Vorwarnung die Zone geräumt und die ahnungslose SLA alleine zurückgelassen. Innerhalb von wenigen Tagen hatte sich dies aufgelöst, Teile waren geflohen, Teile waren ermordet worden, da sie ihr Land verraten hatten. Damit war die Stunde der Hisbollah angeschlagen. Sie hatten sich gewaltsam durchgesetzt und sämtliche Konkurrenten oftmals gewaltsam verdrängt. Vom Iran unterstützt, hatten sie Stück für Stück den Süden in ihre Gewalt gebracht. Er hatte bei vielen Kämpfen mitgewirkt und vieles vom Süden gesehen. Auch die Sheeba-Farmen, 14 Bauernhöfe auf einem Gebiet von 25km², einer der vielen Streitpunkte zwischen Israel und dem Libanon. Beide wollten dieses Gebiet für sich. Er hatte damals nichts besonderes entdecken können und war fast achtlos an ihnen vorbeigefahren.

Neben ihm heulte etwas auf. Ein auf einem Lastwagen montierter Raketenwerfer schoss in Katjuscha-Raketen gestopften Hass ab. Nach nur 12 Sekunden schnitten 24 Raketen durch die Luft, um irgendwo vor ihm Menschen zu töten, Häuser zu zerstören oder Wald anzuzünden. Sie waren Werkzeuge des Hasses, genau wie die AK-47, die um seinen Hals hing. Beide waren geschaffen worden, um zu zerstören und zu töten. Um Israeliten zu töten. 118 waren schon verreckt. Dagegen hatten erst 80 Anhänger der Hisbollah im ehrenvollen Kampf für Allah ihr Leben verloren. Bald hätten sie mit Hilfe der altbewehrten Guerilla-Taktik den sowohl zahlenmäßig als auch technisch weit überlegenen Gegner besiegt, besonders, da sie jetzt endlich über weitreichende Raketen verfügten, die weit hinter den feindlich Linien einschlugen und die Moral der israelitschen Bevölkerung drückten. Aber natürlich mussten sich die Vereinten Nationen einmischen. Eine sogenannte "Friedenstruppe" sollte beim Wiederaufbau helfen. Er spuckte aus: "Diese Heuchler. Ein Wunder, dass die USA noch nicht zum Anti-Terror-Kampf gekommen sind. Wahrscheinlich wären sie längst da, wenn wir Ölquellen hätten. Außerdem haben sie ja Israel, die machen die ganze Drecksarbeit für die USA. Sie zerstören Krankenhäuser und Schulen, die sonst die USA zerstört hätte. Sie sorgen dafür, dass weit über 10.000 Tonnen Heizöl ins Mittelmeer laufen und nicht beseitigt werden können, da deren Seeblockade keine Schiffe durchlässt."

Nicht weit von ihm schlug eine Granate ein. Dann sah er Panzer über den Hügel vor ihm kommen. Die Stalin Orgel heulte auf, dreht den Raketenwerfer ein wenig und heulte ein weiteres Mal auf, während einer der Panzer explodierte. Ein zweiter wurde getroffen, brannte aber nur. Der Lastwagen ließ den Motor an und fuhr in die entgegengesetzte Richtung davon. Der Mann sprang hinten auf und sah die Lichter des Hasses weiter in die Ferne rücken. Für heute war es genug. Morgen würde es weitergehen. Es wird nie enden.

Tolle Uhr...  
   
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