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Ich hasse Ärzte.

"Kommen Sie um 15.30Uhr." Kein Problem, war um 15.20Uhr da. Sekretärin schließt um 15.35Uhr auf. Ich komme als erster an den Tresen und melde mich an. "Joa, dass kann noch ein wenig dauern, kommen Sie mal so gegen 16.45Uhr wieder, der Arzt kommt auch erst so gegen 16.30Uhr." Genial. Sprechstunde ist ab 15.30Uhr, aber der Arzt kommt erst um 16.30Uhr. Schließlich wäre es ja eine ärztliche Sünde, jemanden zu behandeln, bevor er nicht mindestens eine Stunde gewartet hat. Immerhin käme ich dann als Erster dran. Also nach Hause gefahren, Abwasch gemacht, Fußballsachen gepackt, falls es wider Erwarten doch noch länger dauert. Dann aufs Fahrrad und wieder hin. Ins Wartezimmer, könne noch ein wenig dauern.

Um ca. 17.30Uhr hört man die Stimme des Arztes, um kurz vor 17.50Uhr wird der erste aufgerufen. Natürlich nicht ich, sondern ein Privatpatient. Es folgen weitere 15 Minuten des Wartens, ich bin mittlerweile froh, die Fußballsachen schon gepackt zu haben und freue mich darauf, mich auf dem Rasen austoben und abreagieren zu können, schließlich braucht man seinen sportlichen Ausgleich zum täglichen Rumhocken in der Schule und in Wartezimmern. Dann werde ich zusammen mit einem anderen Patienten, der ca. 10min vorher gekommen war, aufgerufen. Beide in verschiedene Behandlungszimmer. Ich werde von der Sprechstundenhilfe gebeten, Platz zu nehmen. Klar, gerne, sitzen macht Spaß. Tierisch. Ich könnte kotzen, soviel Spaß habe ich am Sitzen. Natürlich sage ich das nicht, nein, ich bedanke mich höflich und setze mich. Kaum ist die Frau –schlank, große Oberweite, äußerst wohlgeformter Hintern, also hat der Arzt ziemlich Knete – aus dem Zimmer, stehe ich auf und stelle mich ans Fenster.

Juhu. Es regnet. Der See ist wunderschön grau, man kann das Lachen in den Gesichtern auf der Straße förmlich riechen – zu sehen ist es jedenfalls nicht. Auch die bis tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen spielen dabei eine Rolle. Wie warm ist es draußen? Kranke Scheiße, da hat der Arzt doch tatsächlich ein Thermometer aus dem – zum Glück geschlossenen – Fenster hängen. 10°C. Um 18.20Uhr. Mitte September. Globale Erwärmung, ik hör dir net trapsen. Im Nebenzimmer höre ich, wie sich der Arzt mit dem Privatpatienten unterhält. Sie hatten wohl beide einen sehr angenehmen Urlaub, der Familie geht es auch gut, ja, möchten Sie vielleicht einen Kaffee? Oder Ihren Penis in meinen promovierten Hintern stecken? Ja, ich weiß, letzteres hat er nicht gesagt. Jedenfalls scheinen sich die beiden nun köstlich über den Typen zu amüsieren, der sich neulich auf dem Golfplatz ja so blamiert hat! Ich höre weg, konzentriere mich auf den See. Schön grau. Ein sehr farbenfrohes Grau. Unglaublich, wie außerordentlich fluoreszierend dieses Grau ist! So will ich meine Wände streichen.

Mittlerweile ist es 18.30Uhr. Ich sehe widerwillig ein, dass ich es nicht schaffe, bis 18.45Uhr hier rauszukommen um meine Mitfahrgelegenheit zum Fußball zu erhaschen. Also schreibe ich ihr, also der Mitfahrgelegenheit, ist eigentlich ein „Er“, eine SMS. Eine zweite mit gleichem Wortlaut erhält der Trainer. Das folgende SMS-„Gespräch“ sah so aus:

Ich: „Komme heute nicht, sitze noch beim *zensiert* Hautarzt, seit nunmehr 3 Stunden. Habs gerade einmal ins Behandlungszimmer geschafft, war als 1. da…“

Gut, ich saß noch nicht so lange da, aber es kam mir so vor. Jedenfalls flatterte kurz darauf diese SMS aus den unendlichen Weiten des Weltalls in mein Handy:

Er: „Gut“

Mehr nicht. Natürlich war ich entsprechend entsetzt. Schrieb ich auch:

Ich: „GUT? Nichts gut, beschissen, absolute Hundekacke! Ich sollte um halb fucking vier hier sein, war ich auch, und was ist? Der Onkel Dr. kommt erst um sechs! Ich kotze…“

Man verzeihe mir auch hier die Hyperbel, der Doc war schließlich schon um 17.30Uhr da. Wow. Aber immerhin hat mein Trainer diesmal angemessen reagiert:

Er: „Also nicht gut. Verklag ihn. Wir wissen Bescheid. Töte ihn.“

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Nicht nur, dass er meine Situation verstand, nein, er hatte auch gleich ZWEI plausible Lösungen anzubieten, die man auch noch aneinander ketten konnte!

Aber erst einmal hieß es weiter warten. Die beiden Homies nebenan waren mittlerweile bei der Verabschiedung angekommen, welche sämtliche überflüssigen Floskeln enthielt, die Ärzte sich ausdenken können (es ging von „Gute Besserung“ über „Das wird schon wieder“ bis hin zu „Früher war sowieso alles besser“). Wäre ich böswillig, was ich ja ganz und gar nicht bin, unterstellte ich dem Herrn Doktor, er machte das mit Absicht. Hat er auch, ich bin mir ziemlich sicher. Jedenfalls ging er dann – natürlich, wer hätte was anderes erwartet? – zu dem anderen Patienten. Ich fing also an, hin und her zu marschieren und die Beruhigungsmethode aus „Die Wutprobe“ zu praktizieren. „Wooozaaa, reib die Wuuut in die Wüüüste!“ Es half, jedenfalls nachdem ich den Kugelschreiber vom im Raum befindlichen Schreibtisch geklaut hatte. Meine Rache ist klein, aber schmerzhaft. Ich sehe ihn schon vor mir, wie er seiner sexy Sprechstundenhilfe etwas so wichtiges aufschreiben muss, dass sie sich gaaaaanz weit nach vorne beugen muss, um es auch ja lesen zu können, und dann mit ultracoolem Lächeln den Kuli aus der Tasche nehmen will und… Tada! Klein, aber fein, die Rache ist mein.

Wieder etwas abgekühlt stelle ich mich wieder ans Fenster und bemerke zum ersten Mal den strahlend grauen Himmel. Geblendet wende ich mich ab und setze mich hin, um die im Wartezimmer angefangene Lektüre eines Buches für den Englischunterricht fortzusetzen. Ich habe mich gerade wieder an diese sogenannte „Sprache“ gewöhnt, als der Arzt hereinplatzt. Hey, super, der Arzt, juchei. Jetzt bloß nicht sarkastisch werden, sonst wird er wohlmöglich sauer.

„Aaaah ja, Herr Pack, guten Abend.“ Händeschütteln. „Dann wollen wir doch einmal sehen, was wir für Sie tun können.“

„Ein Allergietest wäre für den Anfang nicht schlecht.“

„Jaha, aber gegen was denn?“

„Mein Hausarzt meinte, ich solle mich auf Gewürze testen lassen.“

„Ui, das ist aber nicht einfach, wissen Sie!“

Nein. Erzählen sie es mir doch, ich wünsche nichts sehnlicher, als hier noch länger zu sitzen!

„Ich hab ja schließlich nicht alles an Gewürzen hier zum testen, woher zum Beispiel soll ich zum Beispiel Johanniskernmehl kriegen, soll ich dafür nach Afrika fahren. Hohoho!“

„Was zur Hölle ist Johanniskernmehl?“

Mööööp, Zonk! Frage niemals einen Arzt nach etwas, was er anscheinend weiß. Er verbrachte ca. zwei Minuten damit, mir zu verklickern, dass Johannismehl ein Verdickungsmittel ist, dass häufig in Fertiggerichten vorkommt. Zwei Minuten sind nicht viel? Sprich den Satz „Johannismehl ist ein Verdickungsmittel, dass in Fertiggerichten vorkommt“ mal aus. Und dann sag noch einmal, dass zwei Minuten nicht lang seien.

„Warum wollen Sie denn überhaupt einen Allergietest machen?“

„Ich hab häufiger Durchfall und so und mein Hausarzt meinte, ich solle bei einem Hautarzt einen Allergietest mit Schwerpunkt auf Gewürzen machen.“

„Oha, das wird aber schwierig.“ Sagte er bereits. „Da müssen Sie erst einmal eine Liste machen mit den Sachen, die sie gegessen haben und wann so ein Durchfall auftritt.“

„Sie meinen ein Ernährungsprotokoll? Habe ich schon, habe ich auch mit meinem Hausarzt durchgesprochen, aber wir konnten da keine Regelmäßigkeiten feststellen. Deswegen sollte ich ja noch einmal einen Allergietest machen.“

„Humm, das ist aber nicht so einfach.“ Ach, tatsächlich? „Da muss man erst einmal… *schwafelschwafeletc.pp.usw.usf.*“

Nach ungefähr 10 Minuten, in denen ich angstrengt über seine unglaublich guten Späße lächeln musste, weil ich Angst hatte, er könnte mich sonst nie mehr entlassen, war das Gespräch zu Ende. Ich solle das Ernährungsprotokoll noch einmal durchgehen und Regelmäßigkeiten herausschreiben. Ein genialer Einfall, der Doktor ist wirklich ein begnadeter Mann, und wie gut er zuhören kann!

Tolle Uhr...  
   
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